Inhaltsangabe:

Es gibt drei Regeln, an die man sich halten sollte, wenn man sich auf einen One-Night-Stand einlässt: Suche dir jemanden aus, den du garantiert nie wieder sehen wirst. Sorge dafür, dass du den Spaß deines Lebens hast und verschwinde danach so schnell und so spurlos wie möglich.
Dies ist auch Lisa klar, als sie sich kurz nach ihrer Ankunft in L.A. von ihrer besten Freundin Karen dazu überreden lässt, auf eine Party zu gehen und dort alle Hemmungen fallen zu lassen. Und in dem attraktiven Nick findet sie tatsächlich einen Gleichgesinnten, mit dem sie eine der aufregendsten Nächte verbringt, die sie je erlebt hat.
Als Lisa am nächsten Morgen ganz planmäßig die Flucht ergreift, ahnt sie noch nicht, dass sie mit der ersten Regel nicht ganz so sorgsam war, wie sie gedacht hat. Denn Nicolas Jordan, der Mann, der ihr am Nachmittag im Restaurant bei ihrem ersten Geschäftsgespräch gegenüber sitzt und mit dem sie in den nächsten sechs Wochen an dem Drehbuch zu ihrem Bestsellerroman arbeiten soll, ist niemand anderes als Nick, ihr One-Night-Stand…

Leseprobe:1

Ein Kitzeln an ihrem Ohr. Das war es, was sie als allererstes wahrnahm, als sie ganz langsam aus der Welt der Träume hinüber in die Realität glitt. Warme Luft, die immer wieder an ihrem Ohrläppchen vorbei über ihren Hals blies, dort eine leichte Gänsehaut hinterlassend. Dann waren da dieser schwere, warme Druck auf ihre Taille und Geräusche… nicht fremd an sich, aber fremd in dieser Situation, störend in dieser sonst so schönen Phase des langsamen Erwachens an einem freien Tag: Das Ticken eines Weckers ganz in ihrer Nähe, Straßenlärm, der aus einem gewissen Höhenunterschied zu ihr herauftönte, ihren noch so betäubten Gehörsinn aktivierte und dabei diese leichte Irritation hervorrief, die ihr Verstand selbst schon in diesem benebelten Zustand zulassen konnte. Und dieses andere Geräusch dicht hinter ihr, welches das Kitzeln an ihrem Hals begleitete… Das klang beinahe wie das ruhige Atmen einer anderen Person.
Lisa riss gewaltsam ihre Lider auf und verfluchte sich im nächsten Augenblick schon beinahe wieder selbst dafür. Gleißend helles Licht stach ihr in die empfindlichen Augen und durch ihre Schläfen zog ein scharfer Schmerz, der sie sofort wieder die Augen zusammenkneifen ließ und sich nur Sekunden später in ein ebenso unangenehmes, schmerzhaftes Pochen verwandelte. Ganz gleich, was sie in der gestrigen Nacht alles getan hatte, eines stand schon einmal mit Sicherheit fest: Sie hatte zu tief ins Glas geguckt und musste nun dafür bezahlen – mit Kopfschmerzen und Gedächtnisverlust, wie es aussah.
Was war nur gestern geschehen? Und wo zur Hölle war sie jetzt? Karen hatte sie dazu gebracht, am späten Abend mit ihr auf die Party eines Bekannten zu gehen, um endlich mal wirklich zu ‚relaxen‘. Und das hatte sie wohl getan, mit zu viel Alkohol und… Gott-oh-Gott! Nicht damit! Bestimmt nicht damit!
Sie atmete tief durch und hob nun sehr viel vorsichtiger als zuvor die Lider, blinzelte gequält in das helle Tageslicht, das durch das geöffnete Fenster einen halben Meter von ihr entfernt in den großen Raum fiel. Helles Parkett, weiße Wände, helle, schlichte Möbel – definitiv nicht ihr Zimmer. Wie sollte das auch möglich sein? Schließlich war sie erst vor zwei Tagen in die Staaten eingereist. Doch es war auch nicht das Hotelzimmer, das sie gemietet hatte, oder das Wohnzimmer ihrer Freundin Karen, das diese ihr als Übernachtungsmöglichkeit angeboten hatte, kurz bevor sie zu der Party aufgebrochen waren.
Lisa schluckte schwer, während ihre Augen beinahe ängstlich durch das Zimmer huschten. Da lag Kleidung vor dem Bett… wenn sie sich nicht irrte, ihre eigene. Das Kleid, das sie gestern Abend angezogen hatte, ein paar Schritte weiter neben einem Herrenshirt ihr BH… ihr Slip… Ihr wurde schlecht, schlechter, als ihr ohnehin schon war. Oh Gott, hatte sie es etwa wirklich getan? Diese eine Sache, die sie sich noch nie zuvor getraut hatte zu tun? Da war dieser Kerl gewesen: groß, dunkel, mit diesem männlichen, aber doch irgendwie jungenhaften Charme. Sie konnte sich an sein Lächeln erinnern und diese vielen kleinen Fältchen um seine Augen herum, die sich immer gebildet hatten, wenn er lachte…
Sie bewegte vorsichtig den Kopf, versuchte an ihrem eigenen Körper hinabzusehen, festzustellen, ob dieser Druck auf ihre Taille tatsächlich durch das verursacht wurde, was sie mit klopfendem Herzen bereits erwartete. Ein leicht behaarter Männerarm – natürlich, was hätte es auch anderes sein sollen? Sie schloss die Augen, versuchte den Kloß, der sich augenblicklich in ihrem Hals gebildet hatte, wieder herunterzuschlucken.
‚Keine Panik!‘ sprach sie sich selbst zu. ‚Einfach ganz ruhig und cool bleiben. Du hast mit einem dir völlig fremden Mann geschlafen – na und?! Ein netter One-Night-Stand hat noch niemandem geschadet… Und da dir auch die Erinnerung daran fehlt – was soll’s?‘
Seine Lippen auf den ihren, sein heißer Atem auf ihrer Haut, sein tiefes Stöhnen dicht an ihrem Ohr. Nackte Haut auf nackter Haut… Wie wundervoll sich das anfühlte… Ihre Finger krallten sich fest in die Muskulatur seines…
Lisa riss entsetzt die Augen auf, konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, nach Luft zu schnappen. Ganz so erinnerungslos war sie dann wohl doch nicht. Großer Gott – wenn sie sich nicht irrte, hatte sie sich so gehen lassen wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Wie peinlich! Sie war doch sonst nicht so. Und sie konnte diesem Mann jetzt unmöglich in die Augen sehen, geschweige denn mit ihm sprechen – jedenfalls nicht, ohne dabei vor Scham im Erdboden zu versinken. Was bedeutete, dass sie irgendwie aus dem Bett herauskommen musste, ohne ihn zu wecken. Bloß wie?
‚Erst einmal tief durchatmen und dann weiter sehen, Lisa‘, sprach sie sich selbst zu. ‚Du kannst das. Konzentrier dich einfach besser. Vielleicht täuschen dich ja auch deine Erinnerungsfetzen und du hast gar nicht mit diesem Mann geschlafen. Immerhin wart ihr sehr betrunken. Vielleicht seid ihr nur ins Bett gefallen und dann gleich eingeschlafen… nackt – gut – aber auch das muss ja nicht gleich zum Letzten geführt haben.‘
Lisa atmete tief ein und aus, bewegte sich ein wenig, testete an, was ihre Bewegung bei dem Mann hinter ihr auslöste. Seine Atmung veränderte sich und sein Arm zuckte kurz, dann lag er wieder still. Vielleicht konnte sie ihn ja dazu anregen, seinen Arm von ihrem Körper zu nehmen, wenn sie ein wenig herumruckelte – vorsichtig natürlich, damit er bloß nicht aufwachte.
Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, als sie sich wieder bewegte, ein wenig ihre Hüfte anhob. Der Mann hinter ihr gab nun ein leises Grummeln von sich und schien sich auf den Rücken zu drehen. Zumindest glitt sein Arm von ihrem Körper und landete stattdessen schwer auf der Matratze. Lisa schloss erleichtert die Augen. Das war doch schon die halbe Miete. Nun galt es nur noch aus dem Bett herauszukommen, ohne dieses dabei zu sehr wackeln zu lassen oder Geräusche zu verursachen, die ihre Kurzbekanntschaft vielleicht doch noch wecken würden. Sie hob die Lider wieder und schob vorsichtig ein Bein über den Bettrand, tastete mit den Zehenspitzen nach dem Fußboden. Da war er, glatt und kühl, nicht allzu tief unter ihr. Sie zog die dünne Bettdecke, die ihren Körper bedeckte, noch ein wenig höher über ihren Brustansatz, spannte ihren Körper an und setzte sich auf – ein wenig zu schnell, denn der Raum begann sich sofort unangenehm um sie zu drehen. Glücklicherweise hielt der Schwindel nicht lange an und sie konnte einen vorsichtigen Blick auf den Mann in ihrem Bett werfen.
Sie hob überrascht die Brauen. Er hatte zwar seinen Kopf auf die andere Seite gedreht, sodass sie sein Gesicht nicht so richtig sehen konnte, doch wahrscheinlich hätte sie dafür eh keine Augen gehabt – bei diesem Körper! Das Betttuch war ihm bis zu den schmalen Hüften hinuntergerutscht und entblößte somit nicht nur seine muskulöse, leicht behaarte Brust, sondern auch den straffen Bauch und diese feine Linie dunkler Haare, die bis hinunter zu der stattlichen, sich deutlich unter dem Laken abzeichnenden Erhebung zu führen schien. Lisa wurde heiß und kalt zur selben Zeit und sie kämpfte mit aller Macht gegen die beschämenden Erinnerungen an, die sofort wieder in ihr hochkommen wollten. Sie musste hier weg – ganz schnell!
Ihr Versuch aufzustehen geriet durch ihr wachsendes Schamgefühl etwas zu hektisch und unkoordiniert und ließ sie völlig vergessen, dass man dazu eigentlich zwei Beine brauchte. Dass eines davon sich in der Decke ihres Liebhabers verfangen hatte, hatte sie zuvor gar nicht wahrgenommen – nun war es zu spät. Ihre Vorwärts-Aufwärts-Bewegung wurde so ruckartig gestoppt, dass sie das Gleichgewicht verlor, sich einmal um sich selbst drehte, mit wild um sich rudernden Armen zwei hilflose Hopser nach hinten machte, bevor sie ihr Bein aus der Decke ziehen konnte, und dann mit einem lauten Poltern zu Boden ging.
Für einen langen Augenblick blieb sie einfach nur liegen, kniff die Augen zusammen und wünschte sich, dass die Erde sich auftat und sie verschluckte. Nackt auf dem Boden vor dem Bett eines ihr wildfremden Mannes zu liegen und diesem zur Begrüßung am Morgen gleich den blanken Allerwertesten entgegen zu recken, weil man einfach die ungeschickteste Person auf der ganzen Welt war, war etwas, was vom Grad der Peinlichkeit und des Schamgefühls kaum noch überboten werden konnte. Und sie war so laut gewesen, das der Fremde in dem Bett davon ganz bestimmt aufgewacht war.
Sie lauschte mit klopfendem Herzen und glühend heißen Wangen in die Stille hinein, doch da war nichts außer weiterhin recht regelmäßig klingenden Atemzügen. Sie hob ein wenig den Kopf, sah über ihre Schulter hinüber zum Bett. Er lag noch genauso da wie zuvor, schlief tief und fest. Konnte sie wirklich so viel Glück haben?
Sie stütze sich mit den Händen ab und richtete sich auf, griff rasch nach dem Laken, das zumindest noch um eines ihrer Beine geschlungen war, und versuchte es rasch um ihren Körper zu wickeln. Irgendetwas war an ihrer Hand kleben geblieben und störte dabei nun ungemein. Sie drehte ihre Handfläche zu sich und ihr Magen vollführte erneut einen Salto Mortale. Die Plastikverpackung eines Kondoms – na, wundervoll! Mehr Beweise brauchte sie nun nicht mehr dafür, dass sie Sex gehabt hatte. Sie zupfte die Verpackung von ihrer Hand und erhob sich dann, den Mann auf dem Bett dabei angespannt im Auge behaltend. Doch er regte sich nicht, schlief selig weiter, auch als sie rasch ihre Sachen zusammensammelte und dann aus dem Zimmer in den Flur eilte.
Bad… wo war hier ein Bad? Da! Sie stürzte in den hell gekachelten Raum, als würde Michael Myers persönlich hinter ihr her sein, schloss die Tür lautlos hinter sich und verriegelte sie sofort. Erst dann wagte sie es, erleichtert durchzuatmen und einen Teil ihrer Anspannung gehen zu lassen.
„Ganz ruhig bleiben“, sprach sie sich selbst leise zu. „Du hast kein Verbrechen begangen, dir nur eine Menge Spaß gegönnt. Und der Kerl schläft wie ein Stein. Also, kein Grund zur Panik. Jetzt ziehst du dich an, Lisa, packst deine Sachen zusammen und verschwindest, so schnell du kannst – so, wie man das halt nach einem One-Night-Stand macht.“
Sie stimmte ihren eigenen Worten mit einem entschlossenen Nicken zu und runzelte dann die Stirn. Irgendetwas kitzelte sie an ihrem Po. Sie griff rasch danach, fühlte, dass etwas an ihrer Pobacke klebte, und hob erstaunt die Brauen. Es ließ sich schnell ablösen und als Lisa es vor ihre Augen hielt, konnte sie diese nur noch in Resignation verdrehen. Natürlich! Eine weitere Kondomhülle. Ganz wunderbar! Dann war das wohl auch noch ein One-Night-Stand über mehrere Runden gewesen. Sie war eine Nymphomanin – eindeutig!
Lisa stieß ein leises Seufzen aus und begann dann endlich, ihren Plan in die Tat umzusetzen, weiterhin bemüht darum, sich bloß nicht an die Details von gestern Nacht zu erinnern. Das würde sie nur nervös machen. Unterwäsche an, Kleid überstülpen… Oh Gott! War sie tatsächlich so auf diese Party gegangen?
Ihr Blick glitt über die Gestalt, die da in dem großen Spiegel vor ihr über dem Waschbecken zu sehen war und sich am Abend zuvor in dieses eng anliegende, dunkelblaue, unglaublich kurze Kleid ihrer Freundin gezwängt hatte. Es betonte ihre Kurven in einer äußerst provokanten Weise und dieser Ausschnitt… Es gab wohl keinen Menschen, der nicht sofort dorthin starren würde, wenn er ihr begegnete – egal ob Mann oder Frau!
„Wenn du damit heute keinen Kerl abschleppst, fress’ ich ‘nen Besen“, hatte Karen gesagt, als sie sich zusammen für die Party fertig gemacht hatten. „Das ist der Hingucker!“
Sie hatte wohl Recht gehabt – in beiderlei Hinsicht. Eigentlich war Karen daran schuld, dass das alles passiert war. Sie hatte schon vor ihrem Aufbrechen gemeinsam mit Lisa einen kleinen Cocktail ‚gekippt‘ – nur zur Auflockerung. Und die ganze Zeit hatte sie auf sie eingeredet: dass sie das endlich mal bräuchte nach dieser langen Zeit als Single; dass es ihr gut tun, sie lockerer machen würde; dass es sie von ihrer Anspannung bezüglich des auf sie zukommenden Kampfes um ihr Buch befreien würde und sie danach sehr viel besser und gelassener in die Verhandlungen und die anstehenden Treffen gehen würde. Irgendwann – nach ein paar Cocktails mehr auf der Party – hatte Lisa ihr geglaubt. Dann war ihr auch tatsächlich schon dieser Kerl über den Weg gelaufen, der wohl genau dasselbe wie sie gesucht und ungefähr dieselbe Menge Alkohol intus gehabt hatte.
Gott-oh-gott, so etwas hatte sie eigentlich nie tun wollen. Alkohol und dumme Ideen – das führte höchst selten zu etwas Positivem. Wie sie nur aussah! Wie eine krude Mischung aus Gothic-Anhängerin und Punk. Ihre Augen waren von der verwischten Schminke schwarz umrandet und ihr blondes Haar stand nach allen Seiten ab, wirkte an ihrem Hinterkopf etwas antoupiert und Lisa wollte gar nicht weiter darüber nachdenken, woher das wohl kam. Sie zog ein Kleenex aus der Packung, die auf einem kleinen Glastisch neben dem Waschbecken stand, befeuchtete es mit Wasser und versuchte sich wenigstens wieder so herzurichten, dass niemand schreiend vor ihr davonrennen würde, wenn sie aus dem Haus trat. Als sie gerade dabei war, ihr Haar mit den Fingern zu durchkämmen und auf diese Weise wenigstens einigermaßen zu glätten, fiel ihr Blick auf den Wecker, der in einem schmalen Regal stand, und sie gefror auf der Stelle zur Salzsäule. Zwölf Uhr dreißig?! Großer Gott, wie lange hatte sie geschlafen?! Sie musste doch um fünfzehn Uhr in dem Restaurant sein, diesem Restaurant… dessen Name ihr schon wieder nicht einfallen wollte – verflucht nochmal!!
Handy. Wo war ihr Handy? Sie musste Karen anrufen! Die konnte sich bestimmt noch daran erinnern. Ihr Blick flog gehetzt durch den Raum. Dann schüttelte sie den Kopf über sich selbst und eilte hinüber zur Tür. Ihre Handtasche konnte nicht hier sein. Sie hatte sie schließlich nicht mitgenommen, als sie Hals über Kopf ins Bad geflohen war.
Sie steckte vorsichtig den Kopf aus der Badezimmertür hinaus und lauschte in die anhaltende Stille. Wenn sie sich nicht irrte, schlief ihr One-Night-Stand immer noch – welch ein Glück! Sie straffte entschlossen die Schultern und schlich dann auf Zehenspitzen durch den Flur zurück in das Schlafzimmer. Der Kerl lag nicht mehr ganz so da wie zuvor, hatte sich noch ein wenig mehr auf die Seite gedreht, doch er schien zu ihrer Beruhigung noch zu schlafen. So konnte sie sich in Ruhe umsehen. Tasche… Tasche… TASCHE! Da war sie. Direkt neben dem Bett, leider auf der Seite, zu der sich der Mann umgedreht hatte.
‚Er schläft – keine Angst‘, sprach sie sich innerlich erneut zu, als sie sich ganz vorsichtig an das Bett heranpirschte. ‚Sei einfach ganz leise.‘
Zwei weitere Schritte und sie hatte die Tasche erreicht, streckte ihre Hand danach aus und hob sie hoch. Natürlich musste irgendetwas darin verrutschen und ein leises Klappern erzeugen. Lisa erstarrte in ihrer Bewegung. Ihre Augen huschten ängstlich hinüber zu dem Gesicht des Mannes und für den Bruchteil einer Sekunde glaubte sie gesehen zu haben, dass sich seine Lider bewegt hatten – so, als ob er sie gerade rasch geschlossen hätte. Aber das konnte ja nicht sein. Er schlief ja noch. Ganz bestimmt. Warum sollte ein erwachsener, tatsächlich unglaublich gut aussehender Mann – meine Güte, wie konnte ein Kerl nur so lange Wimpern haben?! – nur so tun, als ob er schlief? Das war doch lächerlich!
Sie schüttelte den Kopf über diesen absurden Gedanken, nahm ihre Tasche nun sehr viel vorsichtiger und leiser als zuvor an sich, hob auch gleich ihre Schuhe auf und huschte dann so schnell wie möglich hinaus aus dem Raum.
Nur Sekunden später stand sie vor der Tür des Apartments und schloss diese mit einem erleichterten Aufatmen hinter sich. One-Night-Stand abgeschlossen. Den Kerl würde sie nie wiedersehen. Schade eigentlich. Sie hatte bei der Auswahl dieser Kurzbekanntschaft selbst unter Alkoholeinfluss einen ziemlich guten Geschmack bewiesen.

Autorenseite: http://www.facebook.com/pages/Ina-Linger/129772957077351?v=wall

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