Vom viereckigen Stand aus wagte ich erst einmal einen Rundumblick. Herrlich, alles konnte man gut überblicken, die besten Chancen für mich. Vor uns den Hang hinunter konnte ich die Salzlecke gut einsehen. Rittlings setzte ich mich auf das lockere Brett. Um halbwegs gut in Anschlag zu kommen, klemmte ich den wackeligen Rundling, der da bereit lag, unter meine rechte Achsel, so jetzt konnten sie kommen, ich war schußbereit. Da knackte es hinter mir. Oje, oje bewegen durften sich die Männer nicht, kaum verlagerten sie ein bischen ihr Gewicht, „knarzte“ das Holz unter ihren Füßen. Das konnte lustig werden! Doch die Männer hielten brav durch. Ganz still standen sie hinter mir. Langsam wurde es unter den Bäumen nicht nur dämmrig sondern fast schon dunkel, als unser Begleiter an mein Ohr flüsterte:“ Wo bleiben die denn?“ Fast wäre mir ein Lacher ausgekommen. Wie oft war ich schon bis zum nächsten Morgen umsonst gesessen? Da raschelte es – ein Specht, ein leises Knacken, wieder, nur ein Reh, trotzdem spürte ich fast körperlich eine Unruhe. Allarmiert kontrollierte ich aufmerksam die Umgebung, plötzlich entdeckte ich links oben eine mächtige Bache. Aug in Auge sah sie zu mir herab. Vorsichtig deutete ich den Männern, „Nur ja nicht bewegen, steif wie eine Statue stand unser Jagdführer hinter mir, „Siehst du den Spalt im linken Teller“, flüsterte er fast unhörbar, „die kennen wir, die ist schon mal angeschossen worden, die kann uns alles verderben.“ Blasend stand sie da, Dampf trat aus ihren aufgeblähten Nüstern, den Wurf ab und zu in die Höhe hebend. Immer den Blick in unserer Richtung, begann sie schließlich im Zeitlupentempo, einen Hammer vor den anderen zu setzen. Es schien Stunden zu dauern bis sie einen Meter zurückgelegt hatte, wie ein Roboter bewegte sie sich weiter vorwärts. Erstarrt und gebannt verfolgte ich ihre Bewegungen. Endlich hatte sie den halben Hang hinter sich gebracht, als sie blitzschnell von einem jungen Keiler, mit an die zehn Frischlingen im Gänsemarsch hinter sich, überholt wurde. Sie galoppierten förmlich zur Futterstelle. Jetzt gab es kein Halten mehr, plötzlich strömten Wildschweine wie Ameisen von überall her, über die Hügel kommend, Richtung Salzlecke. Binnen Minuten war die Futterstelle schwarz von ihren Leibern und immer noch kamen sie herabgelaufen. „Na das wird schwierig, jetzt sind es wieder zu viele“, hörte ich ganz ruhig aus dem Hintergrund.

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