Leseprobe

18 Mai Hermanillos

Aufgewacht , als erstes mal ganz leise Duschen denn es regt sich noch nichts in den anderen Kisten, an Schlafen ist sowieso nicht mehr zu denken, der Weg ruft einfach schon Morgens. Danach ganz leise seine  Sachen zusammensuchen ( mit Taschenlampe) und schon steh ich fix und fertig vor der Tür und toll, sie ist abgeschlossen. Ja das ist ja super überhaupt wenn man bedenkt das die Fenster vergittert sind und man im Brandfall dann wenig Chancen hätte hier raus zu kommen da die Hospitalero wohl nicht hier schläft es gäbe dann wohl viel „Hasenbraten“

Um 6:30 Uhr dann endlich, mittlerweile stand ich auch nicht mehr allein im dunkeln, wurde aufgeschlossen und die kühle Morgenluft hüllte mich ein, oh wie wunderbar ein frischer neuer Morgen auf einem wunderbaren Weg. Es ging dann wieder endlos lange geradeaus durch die Felder und ich lief ganz alleine in den Sonnenaufgang, leichter Nebel lag über den Feldern und in diesen Momenten ist man Gott sehr nahe.

Da ich ja auf einer alternativ Route war und die den ganzen Tag geradeaus ging ohne ein Dorf und dann natürlich auch ohne Bar und ergo ohne Frühstück, das man ja immer dann möchte wenn die Chance dazu eher klein ist, bog ich vom Weg ab auf einen Querweg der mich wieder auf den Camino den Hauptweg brachte. Das Spanische Ehepaar das mich im Laufe des Morgens eingeholt hatte und eine weile mit mir lief, ging weiter gerade aus und so verabschiedeten wir uns mit einem „buen camino“ denn wir kannten uns schon länger, merkwürdig , man weiss nie ob man jemanden jemals wieder sieht und doch geht es so leicht, weil man weiss, wo immer sie auch hingehen, sie sind auf dem Weg. Ich war dann also wieder auf dem Hauptweg und es ging ein ganzes Stück geradeaus aber es würde wenigstens ein Ort geben durch den ich musste und da gab es meistens auch kleine Bar s.

Als ich dann diesen kleinen Ort erreichte gleich zwei Bar s und die erste war meine, eine kalte Cola und ein Käse Bocadillo und hab mich dann schön draussen in die Sonne an einen kleinen Tisch gesetzt.

Mein Käse Bocadillo  entging leider auch einem grossen schwarzen eher hässlichen Hund nicht, na ja ihm war es wohl egal wie er aussah und nun sass er vor mir und versuchte mir das Bocadillo mit Hypnose aus den Händen zu Zaubern.

Es hatte einen Blick wie „gib mir bitte ein kleines Stückchen sonst verhungere ich auf der Stelle“ aber ich blieb hart, na ja wenigstens bis zur hälfte und ich gab meinem neuen Freund das letzte Stück das schneller weg war als ich schauen konnte.

Mein neuer Freund war allerdings nur so lange mein Freund bis sich am Nachbartisch ein Pilger mit einem Schinken Bocadillo setzte und dann war es aus mit der neuen Freundschaft, na ja ich wollte eh weiter, also noch ein kurzer Blick ( er versuchte es jetzt bei ihm mit Hypnose) Rucksack auf und weiter. Der Weg ging nach dem Frühstück und der kleinen Pause wieder einmal wie von selbst, manchmal braucht man nur auf dem Weg zu stellen und er geht. Ich bin dann an meinem heutigen Ziel angekommen einem etwas grösseren Ort und ich ging auf einen Einheimischen zu, zeigte ihm mein Büchlein mit den Herbergen und fragte wie ich dort hinkomme, worauf er mir in Deutsch antwortete ( nicht wundern aber so ist der Weg ) er hatte mehrere Jahre in Frankfurt gearbeitet und dort Deutsch gelernt (um dann hier zu stehen im nirgendwo, auf mich zu warten um dann Deutsch antworten zu können) er packte mich einfach am Arm und sagte „komme ich bringe“ und er brachte mich bis vor die Unterkunft.

In meinem Tagebuch steht

„So, ich sitze mal wieder frisch geduscht mit einem kühlen Bierchen vorm Haus in der Sonne und fühle mich zur Hälfte wohl, nur zur hälfte weil mir zum richtig wohlfühlen meine andere Hälfte fehlt, es wäre perfekt wenn mein Krümel ( so nannte ich meine Frau) jetzt hier wäre, ja diese hälfte fehlt mir schon sehr aber wenn ich angekommen bin in Santiago de Compostela wird sie kommen und ich werde sie wieder in den Armen halten“  das steht so in meinem Tagebuch und beim Lesen kommen viele Tränen, sie wollte ja auch diesen Weg gehen, geht jetzt einen viel viel weiteren  weg der Sterne.

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